Der Amerikanische Traum – Fazit nach 88 Tagen
Für uns Europäer sind die USA wohl vor allem aus Film, Fernsehen und Nachrichten bekannt. In der Schule wird der “Amerikanische Traum” behandelt, in Filmen lernt man allerlei Vorurteile. Auch die Kultureinflüsse von Essen über Kleidung bis hin zur Musik sind unverkennbar. Aber wie ist es wirklich?
Um jedoch alle Vorurteile zu bewerten, fehlt mir die Zeit, deshalb möchte ich hier auf die mir wichtigsten eingehen.
Vorurteil Nummer eins ist definitiv das Essverhalten. Nicht nur deshalb könnte man sich vorstellen, an jeder Ecke einen McDonald’s, Burger King oder andere bekannte Fast Food Restaurants zu sehen. Die Wahrheit ist, dass es weniger die Bekannten, aber viel mehr andere Ketten oder unabhängige Restaurants sind, die sich hier überall verteilen, aber trotzdem Ähnliches anbieten. Das Sortiment reicht dann von saftigen Burgern, über mächtigen Burritos, überladene Sandwiches, fettige Pizzas, und genau das vereint sich unter dem Wort „Essen“.
Kommen wir direkt vom Essen zur Fettleibigkeit. Ich erlaube mir mal zu sagen, dass der Amerikaner wohl durchschnittlich gesehen fetter ist, aber im Gegensatz zu anderen Ländern sind nicht viele ein wenig beleibter, sondern einige einfach richtig fett. Dem gegenüber stehen diejenigen, die schlank sind, sich gerne zeigen und auch operativ nachhelfen.
In diesem Zusammenhang möchte ich auch gleich auf den Punkt eingehen, der mich an den USA am meisten störte, was unter die Kategorie alltägliches Leben fällt. Das fängt – wie ich schon mehrmals berichtete – bei chlorgetränktem Leitungswasser an, zieht sich über die schlechte Verfügbarkeit von Obst und Gemüse außerhalb der Großstädte und endet schließlich bei absolut unverschämten Preisen für Lebensmittel.
Nächstes und eines meiner Lieblingsthemen, Autos. Zumindest der Straßenverkehr in Los Angeles bietet alles was man sich vorstellen kann. Von dreckigen, halb verrosteten Karren über aufgetunte Nobellimousinen bis hin zu monströsen Geländewagen gegen die ein deutscher Geländewagen wie Spielzeug aussieht, ist hier alles regelmäßig vertreten. Auch die sonst aus Filmen bekannten Musclecars oder Limousinen der 60er bis 80er sind hier überall zu sehen.
Viele Autos bedeuten allerdings auch viel Straßenverkehr. Ich dachte ja immer dass der gemeine Amerikaner so viel fährt, weil er so faul ist (was sicherlich auch nicht ganz verkehrt ist), aber man muss auch sagen dass hier alles ewig weit auseinander ist und öffentliche Verkehrsmittel in der Regel keine Option darstellen. Um beispielsweise von einem Ende LA’s ans Andere zu kommen können gut und gerne mal 2-3 Stunden vergehen ohne dass dabei übermäßig viel Verkehr oder Rush Hour ist.
Interessant finde ich hingegen wie sehr der amerikanische Autofahrer Fußgänger schätzt. Will man in Deutschland eine normale Straße an einer Kreuzung überqueren, die keinerlei Ampel oder Zebrastreifen bietet heißt es in der Regel dass man warten muss. Für mich wurde allerdings bis jetzt immer angehalten und falls ich mal eine Kreuzung überqueren wollte auf der ein Auto in meinem Weg stand dass darauf wartete loszufahren entschuldigte sich der Fahrer stets dafür dass er im Weg steht. Eine Kultur die ich mir für Deutschland auch öfters wünschen würde.
Und auch sonst sind Amerikaner wesentlich freundlicher als ich es erwartet hätte. Seien es Rezeptionisten, Busfahrer oder Kellnerinnen, jeder scheint hier entspannt und freundlich.
Auffällig ist aber auch die hohe Anzahl arbeitsloser Bettler und Obdachloser, die sich überall finden. Dies bestätigt wohl das schlechte Sozialsystem der USA.
Allerdings möchte ich all dies (noch) nicht auf die ganze USA projizieren, da ich nun schon öfters gehört habe dass unterschiedliche Staaten völlig unterschiedliche Kulturen haben können. Vielleicht nicht so gravierend wie verschiedene Länder Europas, aber wohl doch merklich.
Verändert Reisen?
Bevor ich meine Reise gestartet hatte, habe ich mich natürlich wie jeder gute Reisende vorher ausführlich informiert. Dabei ging es nicht nur um Länder, Ziele, Vorkehrungen und Planungen, sondern auch um die Frage warum ich das Ganze hier mache. In erster Linie wollte ich ein weiteres Stück von der Welt sehen. Im Internet liest man des öfteren von dramatischen Ereignissen wie Leben und Tod, oder der Tatsache das Leute ihre Heimat nicht mögen und eine Neue suchen. Oder die klassischen Reisesüchtigen, die einfach alles sehen und erleben wollen und das Reisen regelrecht als Extremsport betreiben. Davon habe ich genug getroffen. 🙂
Ich persönlich würde mich zu denen zählen, die ganz einfach mal was anderes sehen wollen, und auch mit ihrer Heimat kein Problem haben. Was ich damit explizit sagen will: Wie viele Andere war ich vor meiner Reise zufrieden und glücklich mit dem was ich hatte. Weder zu Beginn, noch aktuell, habe ich diese Reise als spirituelle Suche, dem Finden nach mir Selbst oder unter einer andere philosophischen Fragestellung betrachtet. Nichtsdestotrotz verändert einen so eine Reise. Dabei rede ich hier nicht von Offenbarungen oder von Männern und Frauen die ihre Religion ändern und auf einmal die Lebensweisheiten zu jeder Frage parat haben und gelassen wie eine Hindu-Kuh sind, wobei ich davon noch keine getroffen habe! 🙂
Viel mehr, und an dieser Stelle komme ich wohl kaum um etwas philosophischen Schnörkelei drumrum, geht es um die Veränderung hin zu sich selbst. Wer eine gewisse Zeit immer wieder neuen Eindrücken ausgesetzt ist, immer wieder neue Personen kennen lernt, immer wieder neue Hindernisse erlebt und dessen Umwelt sich alle paar Tage ändert, der hat zwei Möglichkeiten: Entweder er passt sich jedes Mal an und verändert sich jedes mal selbst, oder er findet sich selbst und kommt so auch mit jeder Umwelt klar.
Und genau das ist, was mir passiert ist. Dabei sind das in der Regel kleine Änderungen und nicht die großen spirituellen Kehrtwendungen. Wie bereits gesagt kommt fast niemand zurück und ist auf einmal ein völlig anderer Mensch. Viel mehr ist man mehr man selbst, wenn man zurück kehrt. Das zumindest mal zum Thema Veränderung und Lebensweisheiten auf Reisen. Falls mir doch noch die große Offenbarung erscheint, oder ich mich irgendeiner amerikanischen Sekte anschließe, lasse ich es euch natürlich wissen.
An dieser Stelle möchte ich mich nochmals herzlich bedanken:
Vielen Dank an alle, die mich unterstützt haben – vor allem Familie, Freunde und Verwandte.
Vielen Dank an alle, die immer an mich geglaubt haben.
Und nicht zu vergessen, vielen Dank an all die tollen Menschen die ich kennenlernen durfte.
Es war eine wunderbare Zeit.
Auf diesem Weg lege ich vorerst Urlaub bei meinem Blog ein, aber ich weiß, es wird sich noch viel tun – ihr hört von mir!
-Phil
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